Berufsbildungsbericht 2026: Eine geschlechtersensible Berufsorientierung bleibt unerlässlich
Bundesbildungsministerin Karin Prien hat am 6. Mai 2026 im Bundeskabinett den Berufsbildungsbericht 2026 vorgestellt. Vor dem Hintergrund eines differenzierten Bildes des Ausbildungsmarktes bleibt klischeefreie Berufsorientierung wichtig
Der Bericht macht deutlich, dass sich wieder mehr junge Menschen für eine berufliche Ausbildung interessieren. Gleichzeitig beginnen jedoch weniger von ihnen tatsächlich eine Ausbildung. Im Ausbildungsjahr 2024/25 wurden 475.950 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – rund 10.000 weniger als im Vorjahr.
Von den 475.950 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen des Jahres 2025 wurden 173.468 mit Frauen und 302.115 mit Männern geschlossen. Darüber hinaus wurden 367 Verträge mit Personen gemeldet, die sich nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen. Der Frauenanteil lag im Jahr 2025 bei 36,4 Prozent.
Qualifizierungsoffensive Berufliche Bildung
Mit der 2026 gestarteten Qualifizierungsoffensive Berufliche Bildung (QBB) will das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) diesen Trend umkehren. Die Offensive setzt umfassend an: von verbesserter Berufsorientierung für unterschiedliche Schulformen über attraktivere Arbeits- und Lernbedingungen bis hin zu gleichwertigen Karrierewegen und der Weiterentwicklung von berufsabschlussorientierten Teilqualifikationen. Ziel ist es darüber hinaus auch, die gesellschaftliche Wertschätzung und Wahrnehmung der beruflichen Bildung weiter zu stärken.
Geschlechtersensible Berufsorientierung
Der Bericht benennt das Problem, dass Frauen seltener in ihren Wunschberufen einmünden und folgert, dass es wichtig ist, dass Rollenbilder und Stereotype geschlechtsspezifische Zuschreibungen im Beruf und auch anderen gesellschaftlichen Bereichen nicht bestimmen: "Im Zusammenhang mit der Berufswahl sind es häufig Frauen, die Berufe wählen, die Ihnen weniger Aufstiegschancen, weniger Teilhabe am technischen und digitalen Fortschritt und weniger Entgelt einbringen, dafür aber mehr Teilzeit ermöglichen mit unter Umständen weitreichenden Folgen für die ökonomische Selbstbestimmung. Dazu gehört auch, dass Männer deutlich seltener Soziale Berufe wählen." Und weiter: "Eine geschlechtersensible Berufsorientierung, Personalentwicklung sowie eine generelle Sensibilisierung für wirtschaftliche Eigenständigkeit bleiben deshalb unerlässlich. Nur so können die vollständige Chancengleichheit von Frauen und Männern im Berufsleben und zugleich die notwendige Fachkräftesicherung erreicht werden." (Berufsbildungsbericht 2026, Seite 28)
Die Projekte Girls'Day und Boys'Day werden zusammen mit der Initiative Klischeefrei auch im "Gesamtüberblick der berufsbildungspolitischen Aktivitäten und Programme der Bundesregierung" auf Seite 152f. genannt.
Hintergrund
Der Berufsbildungsbericht 2026 bildet die Lage auf dem Ausbildungsmarkt zum Stichtag 30. September 2025 ab. Im Berichtsjahr 2025 ist das Ausbildungsstellenangebot auf 530.300 gesunken (–25.300 bzw. –4,6 Prozent).
Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im dualen System lag bei 476.700 (–2,1 Prozent). Die traditionelle Ausbildungsnachfrage ging leicht auf 515.800 zurück (–0,3 Prozent), während die erweiterte Nachfrage auf 560.300 anstieg (+0,3 Prozent).
Zum Ende des Berichtszeitraums waren 84.400 Bewerberinnen und Bewerber noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz (+14.000). Gleichzeitig gab es 54.400 unbesetzte Ausbildungsstellen (–15.000). Die Zahl der unversorgt gebliebenen Bewerberinnen und Bewerber stieg auf 39.900 (+28,0 Prozent).
In der integrierten Ausbildungsberichterstattung zeigt sich zudem ein Rückgang der Anfängerzahlen in der dualen Berufsausbildung im Jahr 2025, während schulische Ausbildungsgänge – insbesondere in Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialberufen – Zuwächse verzeichnen.